Laura Walde erklärt, warum Kurzfilme mehr Aufmerksamkeit verdienen

Die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur widmen ihre 30. Ausgabe dem Kino und dem Blick hinter die Leinwand. Filmwissenschaftlerin Laura Walde hat den Festivalfokus «For the Love of Cinema» gemeinsam mit dem künstlerischen Leiter John Canciani kuratiert. Im Gespräch mit Keystone-SDA erläutert sie, weshalb Kurzfilme für sie weit mehr als ein Nischenformat sind.
Ausserhalb von Festivals würden kurze Filme nur selten gezeigt, sagt Walde. Selbst an Universitäten seien sie kaum Teil der Lehre. Dabei hätten Kurzfilme das bewegte Bild seit jeher geprägt: Sie böten Raum für Experimente und neue Ideen. Zum Jubiläum habe das Team deshalb Filme zusammengestellt, die das Filmemachen selbst in den Mittelpunkt rücken.
Dieser Perspektivwechsel führt zum sogenannten Metakino: Die Filme zeigen nicht nur eine Geschichte, sondern machen auch sichtbar, wie ein Werk entsteht und welche Entscheidungen dahinterstehen. Walde und Canciani wollten den Begriff jedoch nicht zu theoretisch behandeln. Als Leitgedanken diente ihnen das Verständnis des Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi, wonach Verstehen aus dem Zusammenspiel von Hand, Herz und Kopf entsteht.
Daraus entwickelten die Kuratoren drei Programmteile: «We Make Cinema», «We Feel Cinema» und «We Think Cinema». Sie betrachten das Kino aus unterschiedlichen Blickwinkeln – vom praktischen Entstehen eines Films über seine emotionale Wirkung bis zu den Gedanken, die er auslösen kann.
Der Titel des Fokusprogramms entstand laut Walde bei der Recherche. Im Abspann der Komödie «Montsouris» von Guil Sela entdeckten die Kuratoren die Widmung «Par amour du cinéma». Die englische Übersetzung «For the Love of Cinema» habe sofort als Haupttitel gepasst.
Walde sagt, wer Filme liebe, solle auch verstehen wollen, wie sie funktionieren: wie sie konstruiert sind, Gefühle lenken und unseren Blick auf die Welt beeinflussen. Kino sei nicht bloss Unterhaltung, sondern präge, wie Menschen ihre Umgebung wahrnehmen. Mit dem Programm möchte sie diese Wirkung sichtbar machen – und dem Kurzfilm einen Platz geben, den er ihrer Ansicht nach verdient.
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